KOMMENTAR DER WOCHE

Geheime Kommandosache

(Information und Lernen - Wie die Faust aufs Auge!)

Da bin ich schon mal im Urlaub und dachte, das daheim in Gütersloh aufgrund der ebenfalls im kommunalpolitischen Bereich durchgeführten Herbstferien nichts passieren wird - leider falsch gedacht! 

Exclusiv berichtete eine Gütersloher Tageszeitung, das Stadtbibliothek und Volkshochschule fusionieren sollen. Eigentlich nichts Neues und nichts Aufregendes, denn bereits im Mai diskutierte doch der Kulturausschuss über die Möglichkeiten einer Zweckgemeinschaft der beiden Institutionen. Über Sinn und Zweck einer informativen Bildungsehe möchte ich mich hier nicht auslassen, das Thema wird weiterhin für ausreichend Zündstoff sorgen und auch mir die Gelegenheit geben, mich zum Inhalt äußern zu dürfen.

Obwohl es sich um eine Machbarkeitsstudie zum Thema "Information und Lernen" in Gütersloh handeln soll, ist interessant, das gerade Informationen über den Inhalt dieses anscheinend hoch brisanten Papiers den Bürgerinnen und Bürgern als auch der Politik vorenthalten werden. Auffällig ist auch, das bereits im Mai  die selbe Zeitung vorab berichtete und die Politiker nicht besonders erfreut darüber waren, zuerst durch die Medien von den Plänen des Kulturdezernenten Wimmer zu erfahren. 

Herr Wimmer ist noch jung und dürfte die strikte Geheimhaltung von Dokumenten nur aus Spionagefilmen und Agentenromanen kennen. Auf der einen Seite  praktiziert der  dynamische Jungmanager einen lockeren und offenen Umgangsstil mit Medien, Politikern und auch den Bürgern unserer Stadt und propagiert Offenheit und Transparenz für alle (oder etwa doch nicht?). Auf der anderen Seite jedoch verkörpert er jedoch einen alten Haudegen der Spionageabwehr, der mit aller Macht und allen Möglichkeiten verhindern will, das Informationen aus der heiß begehrten Studie an die Öffentlichkeit gelangen.

Warum hält Herr Wimmer die Studie unter Verschluss und warum ist es den direkt Betroffenen untersagt, zum Inhalt des Papiers öffentlich Stellung zu nehmen? "Kein Kommentar heißt es von allen Seiten" und so sitzen Bürger + Politiker im selben Boot und machen sich Gedanken, über das, was die besagte Zeitung exclusiv vorab berichtete. Was bewegt den von der Bertelsmann Stiftung zur Stadt gewechselten Beigeordneten dazu, den Beteiligten einen Maulkorb umzuhängen? 

Mit der Geheimhaltungstaktik hat sich der smarte aufstrebende und karrierebewusste Modernisierer der Gütersloher Kulturlandschaft jedoch keinen Gefallen getan. Visionen sind dazu da, um sie öffentlich zu diskutieren, um sie mit Machbarem anzureichern und sie von allen Beteiligten und auch Dritten auf die Umsetzung überprüfen zu lassen. Hinter verschlossenen Türen ausgearbeitete und nur einem kleinen Kreis zugänglich streng vertrauliche Papiere erwecken eher den Eindruck, das sie im Zuge eines lang vorbereiteten Coups zum einem für die Ideen- und Auftraggeber richtigen Zeitpunkt veröffentlicht werden sollen. 

Jedem der an dieser Geheimhaltungsstrategie mit gearbeitet hat, dürfte besonders in der heutigen Medienzeit bewusst gewesen sein, das er zum Gejagten der Informationsgesellschaft wird und irgendwann sein Wissen Preis geben muss. Vorenthaltung von Informationen tut der Verwaltung nicht gut - im Gegenteil. Kritik und Unmut werden laut und die Verwaltung verliert an Vertrauen.

Information und Lernen - der Titel der Studie passt wie die Faust aufs Auge. Hoffen wir, das Herr Wimmer lernt, das Informationen nicht nur über das Theaterneubauprojekt von Wichtigkeit für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sind.

Roland von Zahl

14. Oktober 2002