Kommentar der Woche
Wimmern nützt nichts
(Ein Finanzierungsmärchen frei nach A. Wimmer)
Es gibt Wochen, da überschlagen sich die Ereignisse
und man weiß nicht, welchem Thema die größte Aufmerksamkeit
gewidmet werden soll. Es gibt allerdings auch Wochen, die speziell die
Provinz-Kommentatoren ins Grübeln kommen lassen.
Kein politischen Querelen, kein Schützenfest, kein
Skandal - über was soll man schreiben? Ein Kollege der NW hatte
es voll getroffen: er zählte einfach ein paar Veranstaltungshöhepunkte
in unserer Stadt auf und fertig war sein Meisterwerk. Auch nicht schlecht,
denn warum sollen sich die Gütersloher nicht mal ablenken und warum
sollen sie immer mit....... halt, da fällt mir doch noch etwas ein:
Die Entschuldigung des Dezernenten für Soziales,
Jugend, Bildung und Kultur - dem jungen Herrn Wimmer. 4 € pro Kopf
sollte den Gütersloher der neue Theaterbau im Jahr nur kosten -
und das auf 60 Jahre berechnet. Mensch, Herr Beigeordneter - wo und was
haben Sie eigentlich studiert? Als Mathematik und Betriebswirtschaftslehre
angesagt war, gingen sie wahrscheinlich gerade ihrem Ferienjob nach,
denn anders ist dieses Rechenbeispiel wohl kaum zu erklären. Oder
wollten Sie etwa.....? Nein, Herr Wimmer, daran hatten Sie bestimmt nicht
gedacht, oder? Das wäre dann schon anderen durchaus zuzutrauen.
Wenn Herrn Wimmer seitens Dritter nicht eine Gegenrechnung aufgemacht
worden wäre, hätte diesen angeblichen Rechenfehler wohl auch
kaum jemand wahrgenommen. Ein Rechenfehler war es letztendlich doch nicht,
denn wenn der Kulturdezernent seinen eigenen Angaben Glauben schenken
würde, und ein Theaterneubau tatsächlich "nur" 23
Millionen € kosten würde, hätte er mit seinem Abschreibemodell
auf 6 Jahren absolut richtig gelegen. Aber wen interessieren schon Abschreibungsmodelle.
Was kostet der Neubau und wie werden die Kosten an den Bürger weiterberechnet.
Das ist ein wichtiger Punkt, den der Bürger erklärt haben möchte.
Da seitens der Verwaltung zudem keine neue Zahlen bzw. Berechnungen vorgelegt
wurden, hat Herr Wimmer seine sogenannten Berechnungen nicht korrigiert,
sondern schlicht und einfach anders interpretiert. Auch eine Möglichkeit,
ein Projekt gegenüber den Bürgern "kleinzurechnen",
wie er es in einem anderen Zusammenhang so schön formulierte. Ach
ja, der Kulturamtsleiter Klein war bei diesem Termin übrigens auch
zugegen. Verwunderlich in diesem Zusammenhang erscheint auch das Verhalten
der sehr "theaterneubaufreundlichen" Medienvertreter, die zu
diesem Termin geladen waren. Sie lauschten den Worten des Gütersloher
Kulturherren und waren von seiner Darstellung auf der Bühne derart
fasziniert, dass sie schrieben, was ihnen kundgetan. Irgendwie muss der
Hauch des Theaters sie umweht haben, denn mit denjenigen, die das Theaterneubauprojekt
kritisch betrachten, gehen sie ganz anders und nicht so schonend um.
Die Dramaturgie des Theaters schreibt schon seltsame Stücke.
...richtig, warum sollten die Gütersloher auch
immer mit politischen Ungereimtheiten und Dissonanzen konfrontiert werden.
Lassen wir das also. Am Samstag kann man sich im Rahmen der langennachtderkunst
an endlos vielen Projekten in der Innenstadt erfreuen, und bestimmt trifft
man auch den Kulturdezernenten und fragt ihn schlicht und einfach mal
nach seiner Abschlussnote in Mathe. Was meinen Sie wohl, was der Ihnen
erzählen wird?
Roland von Zahl
24. Mai 2002
|