BLESSENSTÄTTE

ÖFFNUNG DES KREUZUNGSBEREICHS

  • Fachbereich: 61/Stadtplatiung,
  • Erstellt durch: Herrn Westerich
  • Datum: 16.02.2006
  • PLANUNGSAUSSCHUSS 9.03.2006

Beratungsgegenstand:

Erfahrungsbericht

Beschlussvorschlag:

  • Der Planungsausschuss nimmt den Erfahrungsbericht zur Kenntnis

Sachverhalt:

Der Planungsausschuss hat am 16.6.2005 beschlossen, die Durchfahrt von der Blessenstätte zur Kirchstraße und umgekehrt im Rahmen einer maximal ein Jahr dauernden Testphase wieder zu öffnen. Der Versuch soll aufzeigen, in welchem Maße die Verkehrsbelastung der Blessenstätte, der Kirch-straße und anderer umliegender Straßen sich verändert. Im Ergebnis sollen die mit der Abbindung verfolgten städtebaulichen Ziele nicht nachhaltig gefährdet werden.

Die Verwaltung soll die laufenden Auswirkungen des Versuches regelmäßig öffentlich aufzeigen und in den zuständigen Beratungsgremien hierüber berichten. Ferner werden die aktuellen Auswirkungen im Internet dargestellt.

Um einen Überblick über die Verketirsveränderungen im Straßennetz zu erhalten, werden an verschie-denen Stellen im Stadtgebiet in regelmäßigen Abständen automatisch Zähldaten erfasst und ausge-wertet. Die Fahrzeugerfassung erfolgt über die für die verkehrsabhängige Steuerung der Lichtsignal-anlagen vorhandenen Schleifenkontakte. Diese Zählart gewährleistet einen schnellen Zugriff auf die Daten und liefert gute Vergleichszahlen.

Ferner werden auf den zu beobachtenden Straßen Verkehrszählgeräte aufgestellt, die mittels der
über die Straße gespannten Gummischläuche Druckimpulse von Fahrzeugen auswerten. Diese Methode ist ortsunabhängig und sehr exakt. Die Aufstellung ist allerdings mit entsprechendem Auf­
wand verbunden und kann wegen der begrenzten Anzahl von 2 Zählgeräten nur wechselweise an
jeweils unterschiedlichen Stellen erfolgen.

An der Lichtsignalanlage Kirchstr./Kaiserstr. werden über die vorh. Schleifenkontakte Vergleichs werte zur regelmäßigen Ermittlung der prozentualen Veränderung der Verkehrsbelastung der Kirchstraße erfasst. Die Dienstage jeder Woche werden verglichen mit einem durchschnittlichen Dienstag vor dem Versuch. Die hier ermittelten Belastungszahlen, die auch regelmäßig im Internet aufgezeigt und aktual-isiert werden, sollen lediglich eine Tendenz in % aufzeigen und sind wegen der Einflüsse der Park-palette, des Parkhotels etc. nicht identisch mit den absoluten Querschnittsbelastungszahlen der Kirchstraße. Diese werden über die Verkehrszählgeräte mit Druckschläuchen in Höhe der Häu-­ser 15/21 ermittelt.

Das derzeitige Zwischenergebnis der Zählungen lässt sich wie folgt zusammenfassen:

1. Kirchstraße

Der Belastungssockel der Kirchstraße ist mit Freigabe der Verkehrsbeziehungen vor der Bibliothek innerhalb der ersten Woche um ca. 20% angestiegen. Danach erfolgte in der Vorweihnachtszeit ein wöchentlicher Anstieg um ca. 3% bis zu einem Spitzenwert von ca. 40% an einem Vergleichsdienstag vor Weihnachten. Auch auf allen anderen innenstadtnahen Straßen konnte ein deutlicher Verkehrsa-nstieg festgestellt werden. Dieser Anstieg ist erfahrungsgemäß jahreszeitlich bedingt. Während der Weihnachtsferien sank der Verkehrsanstieg dann wieder bis auf den Vergleichsursprungswert (0%) zurück.

Nach dem Ende der Ferien hat sich bis zum Dienstag, dem 14.2.2006 ein Verkehrszuwachs von ca. 25% eingestellt. Dies entspricht einem Anstieg der Verkehrsbelastung um ca. 2.000 Kfz/24h. Derzeit sind aber auch witterungsbedingte und saisonale Einflüsse zu berücksichtigen. Die über die Schleifenkontakte der Lichtsignalanlage gezählten Vergleichswerte lauten:

 
Vergleichsdienstag vor Einführung der Unterbrechung (1996):
ca. 16.000 Kfz/24h
Vergleichsdienstag vor dem jetzigen Versuch:
ca. 7.940 Kfz/24h =100%
Vergleichsdienstag derzeitig (14.Februar 2006):
ca. 9.940 Kfz/24h =125%
   
Diese Zahlen sind, wie zuvor bereits ausgeführt, lediglich Vergleichswerte wegen der schnellen Er-fassbarkeit. Die absoluten, über Schläuche erfassten Verkehrsbelastungszahlen der Kirchstraße in Höhe Haus Nr. 15/21 sind um ca. 1000Kfz/24h niedriger und lauten wie folgt:
   
Vergleichsdienstag derzeitig (14.Februar 2006)
ca. 8.910Kfz/24h

2. Blessenstätte

Die Verkehrsbelastungszahlen der Blessenstätte vor dem Versuch wurden zwischen der Friedhofstraße und der Feldstraße über Schläuche erfasst. Der Verkehrsanstieg an einem derzeitigen Vergleichs-dienstag beträgt 10% . Dies entspricht ca. 1000 Kfz/24h zusätzlich.

   
Vergleichsdienstag vor dem jetzigen Versuch:
ca. 10.300 Kfz/24h =100%
Vergleichsdienstag derzeitig (14.Februar 2006):
ca. 11.300 Kfz/24h =110%
   

3. Unter den Ulmen

Die Verkehrsbelastungszahlen der Straße „Unter den Ulmen" werden in Höhe der Dalkepromenade erfasst. Wegen der direkten Wechselwirkung mit der Kirchstraße ist hier eine Verkehrsminderung um ca. 7% zu verzeichnen. Dies entspricht einer Abnahme um ca. 590 Kfz/24h

   
Vergleichsdienstag vor dem jetzigen Versuch:
ca. 8.450 Kfz/24h =100%
Vergleichsdienstag derzeitig (14.Februar 2006)
ca. 7.846 Kfz/24h = 93%
   

4. Münsterstraße / Daltropstraße / Feldstraße

Für die Fahrtrichtung der Münsterstraße in Richtung Berliner Str. haben sich keine quantifizierbaren Veränderungen der Verkehrsbelastung ergeben. Über die Verkehre der Daltropstraße und der Feld­
straße können wegen der vorhandenen Baustelle derzeit keine relevanten Aussagen getroffen werden. Im betrachteten Bereich der Blessenstätte zwischen der Feldstraße und der Friedhofstraße sind ohnehin keine Wechselwirkungen mit diesen Straßen mehr vorhanden.

5. Dalkestraße

Nach der Öffnung der Blessenstätte dürfen die Rechtsabbieger der Blessenstätte und die Linksabbieger der Kirchstraße wieder in die Dalkestraße einbiegen. Hierbei handelt es sich vornehmlich um Quell und Zielverkehre. Hier sollen noch weitere Untersuchungen erfolgen.

Verkehrliche Auswirkungen der derzeitigen Verkehrsverhältnisse:

Vor der versuchsweisen Wiederfreigabe der Verkehrsbeziehungen an der Blessenstätte sind von der Verwaltung Überlegungen angestellt worden, wie sich die zusätzlichen Verkehrsbelastungen auswirken würden. Dabei musste abgeschätzt werden, inwieweit sich die durch die Unterbrechung verdrängten Verkehrsmengen wieder zurückverlagern würden.

Die tatsächlich zu erwartende Verkehrsmenge war schwer vorhersehbar.

Bei einer Zurückverlagerung von 80% der ehemaligen Verkehrsmengen führte ein entsprechend konfigu-riertes Verkehrssimulationsprogramm während der Spitzenverkehrszeiten zu sporadische Überstau-ungen des Knotenpunktes Berliner Str. / Blessenstätte / Kirchstraße. Weiterhin kam es in der Simula-tion zu starken Blockierungen im Bereich der abknickenden Vorfahrt Unter den Ulmen / Blessenstätte.

Seit Versuchsbeginn werden regelmäßige Beobachtungen von der Verwaltung und von der Polizei durchgeführt. Überraschend ist, das die ursprünglich befürchteten starken Stauungen bisher aus-blieben. Der Verkehr fließt nach den Beobachtungen bisher relativ komplikationsfrei. Rückstauungen während der Verkehrsspitzen werden vergleichsweise schnell abgebaut. Selbst die Spitzenverkehrsbe-lastungen kurz vor Weihnachten waren zwar visuell deutlich erkennbar, führten aber nicht zum Zusam-menbruch.

Grund dafür ist sicherlich, das der ursprünglich erwartete starke Verkehrsanstieg derzeit mit ca. 25% noch nicht stattgefunden hat. Offensichtlich haben die in der Vergangenheit durchgeführten Verkehrsbe-ruhigungsmaßnahmen einen maßgeblichen Anteil daran. Insbesondere die Beibehaltung der abknicken-den Vorfahrt Unter den Ulmen / Blessenstätte mit allen Fahrbeziehungen wirkt als Block und macht die Durchfahrt derzeit bei höheren Verkehrsmengen unattraktiv.

Nach einer Stellungnahme der Kreispolizeibehörde gibt es aus Sicht der Polizei bei den Verkehrsver-hältnissen keine Besonderheiten. Die Polizeiinspektion Gütersloh meldet einen störungsfreien Ver-lauf. Verkehrsunfälle sind danach nicht auffällig. Der Verkehrsfluss hat sich aus Sicht der Polizei positiv entwickelt. Sie empfiehlt, den Versuch weiterzuführen.

Seit Versuchsbeginn sind ca. 4 Monate vergangen. Derzeit ist noch nicht abzuschätzen, wie die weitere Entwicklung verlaufen wird. Es darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass das Verkehrsaufkommen von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig ist. Insbesondere muss noch einmal auf wetterbedingte und saisonale Einflüsse hingewiesen werden. Auch bestehende Baustellen (z.B. Friedrich Ebert Straße) dürften einen Einfluss haben. Die Erfahrung zeigt, das es bei Eingriffen in das Straßennetz neben spontanen Verkehrsverlagerungen auch längerfristige Umorientierungsphasen der Verkehrsteilnehmer gibt. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Eine abschließende Bewertung unter Einbeziehung der städtebaulichen Ziele sollte erst vorgenommen werden, wenn die festgelegte Versuchsdauer von einem Jahr abgelaufen ist.