BÜRGERBEGEHREN zur Öffnung des Kreuzungsbereiches BLESSENSTÄTTE / KIRCHSTR. :

FREIE FAHRT IN ALLE RICHTUNGEN

Beschluss des Planungsausschusses sowie des Bau- und Verkehrsausschusses vom 28.08.1997

Stadt Gütersloh - Der Stadtdirektor

Sitzungsvorlage DS 76

AMT FÜR STADTPLANUNG UND STADTENTWICKLUNG 30.07.1997

Verkehrskonzept Blessenstätte

Empfehlung / Entscheidung

28.08.1997 / 28.08.1997

Der Planungsausschuß spricht sich dafür aus, das derzeitige Verkehrskonzept für die Blessenstätte in eine Dauerregelung umzuwandeln. Er empfiehlt dem Bau- und Verkehrsausschuß, auf die ursprünglich vorgesehene Modifizierung der 2. Versuchsphase (zusätzlich: Zufahrtsmöglichkeit für den KfzVerkehr von der Berliner Straße in die Dalkestraße) zu verzichten.

Der Bau und Verkehrsausschuß stimmt der derzeitigen Versuchsanordnung des Verkehrskonzeptes Blessenstätte als Grundlage für einen Umbau zu.

Finanzielle Auswirkungen:

Einmalig - Im Zeitraum / ab Zeitraum: - 1998 bis 2000 - Haushaltsbelastung DM: 1.300.000,00 1

Löhr

Sachverhalt und Begründung des Beschlussvorschlages in Kurzfassung

1. Der Planungs- sowie der Bau- und Verkehrsausschuß haben in einer gemeinsamen Sitzung am 23.05.1996 für die Blessenstätte eine 2. Versuchsphase beschlossen, die z. Zt. läuft.

Die im Rahmen der 2. Versuchsphase zusätzlich vorgesehene Einfahrmöglichkeit für den Kfz-Verkehr von der Berliner.Straße in die Dalkestrasse ist bisher nicht erfolgt. Eine Umsetzung wurde im Hinblick auf den in der Aufstellung befindlichen Verkehrsentwicklungsplan zurückgestellt.

2. Zwischenzeitlich sind in der Arbeitsgruppe, die die Entwicklung des Verkehrsentwicklungsplanes begleitet, vom Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Baier,. Aachen, Vorschläge für den Bereich der Blessenstätte vorgestellt worden. Das Ingenieurbüro spricht sich dafür aus, die Verkehrsführung der Innenstadt in den Städtebau zu integrieren. Vorgestellt wurde ein Stufenkonzept mit 3 Schritten:

Stufe 1

Beibehaltung des derzeitigen Verkehrskonzeptes für den Bereich Blessenstätte/Kirchstraße/Berliner Straße / Dalkestraße ohne Einfahrmöglichkeit des Kfz-Verkehrs sowohl von der Berliner Straße als auch von der Blessenstätte und der Kirchstraße in die Dalkestraße. Zusätzlich: Abbindung der Münsterstraße nördlich des Parkhauses, so daß im nördlichen Bereich die Zäsurwirkung der Münsterstraße entfällt.

Stufe 2

Abbindung der Kirchstraße von der Blessenstätte/Berliner Straße/Dalkestraße mit Ausnahme des ÖPNV und des Radverkehrs. ,Zusätzlich" auch hier: Abbindung der Münsterstraße nördlich des Parkhauses. Die Parkhäuser und Tiefgaragen der Innenstadt sind bei einer solchen Verkehrsregelung gezielt anzufahren.

Stufe 3

Abbindung der Kirchstraße wie Vorschlag 2. Zusätzlich: Mögliche langfristige Aufgabe des Parkhauses Münsterstraße mit Einbeziehung der Münsterstraße in den Fußgängerbereich und direkte Anbindung der Tiefgarage Daltropstraße an die Blessenstätte etwa gegenüber der Straße Unter den Ulmen. Voraussetzung für eine solche Lösung ist eine Neuorientierung des Parkens in der Innenstadt.

3. Die bisherigen Beratungen des Verkehrskonzeptes Blessenstätte und die Reaktion in der Öffentlichkeit haben gezeigt, daß gegen eine Einschränkung der Zu- und Abfahrt für das Parkhaus Münsterstraße und die Tiefgarage Daltropstraße aus und in Richtung Kirchstraße große Bedenken bestehen.

Das Büro Dr. Ing. Baier kommt in seiner Bewertung zu der Auffassung, daß die heutige Verkehrsführung baulich umgesetzt und auf die ursprünglich vorgesehene und beschlossene Ergänzung der 2. Versuchsphase (Zufahrtsmöglichkeit für den Kfz-Verkehr von der Berliner Straße in die Dalkestraße) verzichtet werden sollte.

Im einzelnen wird auf das als Anlage beigefügte Schreiben des Ingenieurbüros.verwiesen.

4. Die jetzige Versuchsanordnung hat sich bewährt; es hat sich ein zufriedenstellender Verkehrsablauf eingestellt, der allerdings noch der baulichen Unterstützung bedarf. Durch die 2. Versuchsphase wurde gegenüber der 1. Versuchsanordnung auf der Straße Unter den Ulmen und der Feuerbornstraße jeweils eine deutliche Abnahme der Verkehrsmenge erreicht.

Die ursprünglich vorgesehene Modifizierung der 2. Versuchsanordnung steht nicht nur im Widerspruch zu dem aktuellen Vorschlag des Büros für Stadt- und Verkehrsplanung Dr. Ing. Baier, Aachen, und der städtebaulichen Zielvorstellungen. Sie birgt darüber hinaus die Gefahr, daß dann vor allem auch aus Richtung Herzebrocker Straße von der Blessenstätte in die Dalkestraße eingefahren und damit die Sperrung umgangen würde. Damit wäre dann letztlich das Verkehrskonzept in Frage gestellt.

Eine wesentliche Erfahrung der jetzigen Versuchsanordnung ist die Erkenntnis, daß Abbiegeverbote für alle Verkehrsteilnehmer plausibel sein müssen. Kaum zu vermitteln dürfte allerdings sein, daß die Zufahrt von der Berliner Straße in die Dalkestraße zulässig, von der Blessenstätte in die Dalkestraße (die sich baulichlich nicht verändern läßt) dagegen verboten ist.

Die Verwaltung ist daher ebenso wie das Büro Dr. Baier der Auffassung, daß auf die ursprünglich vorgesehene Modifizierung der 2. Versuchsphase mit einer Zufahrtsmöglichkeit für den Kfz-Verkehr von der Berliner Straße in die Dalkestraße verzichtet werden sollte.

5. Die Versuchsanordnung für das Verkehrskonzept Blessenstätte stellt ein Provisorium dar. Um die städtebauliche Situation und die Attraktivität dieses Bereiches zu verbessern, ist ein Umbau notwendig. Aus förderungstechnischer Sicht ist es dringend geboten, bis zum Jahres­ ende bei der Bezirksregierung in Detmold bewilligungsreife Unterlagen vorzulegen und im Jahre 1998 mit der Baumaßnahme zu beginnen.

Voraussetzung für die Erstellung des Antrags ist eine Entscheidung vom Planungsausschuß sowie vom Bau- und Verkehrsausschuß über das Verkehrskonzept Blessenstätte.

Die Verwaltung empfiehlt daher einen Umbau der Blessenstätte usw. auf der Grundlage der derzeitigen Versuchsanordnung.

Anlage

BSV - BURO FUR STADT- UND VERKEHRSPLANUNG DR. ING. REINHOLD BAIER

Stadtverwaltung Gütersloh - Amt, für Stadtplanung und Stadtentwicklung - Herrn DiplIng. Reinders

Berliner Straße.70 - 33330 Gütersloh

Betr.: Untersuchungen zum Verkehrsentwicklungsplan Gütersloh

Bezug: Telefonat vom 25.07.1997 / 25.07.1997 he 60080

Sehr geehrter Herr Reinders,

im Rahmen der Untersuchungen zum Verkehrsentwicklungsplan sind von uns u.a. , Vorschläge zur Verkehrsführung im Bereich des Knotenpunktes Blessenstätte/Berliner Str./Kirchstr./Dalkestr. entwickelt und in der projektbegleitenden Arbeitsgruppe zur Diskussion gestellt worden. Das Konzept besteht aus drei zeitlich gestaffelten Realisierungsstufen:

Die erste Stufe sieht eine Umgestaltung des Knotenpunktes unter Beibehaltung der derzeitigen Verkehrsführung vor. Zusätzlich wird eine Netzunterbrechung der Münsterstr. für den NUV nördlich des Parkhauses Hertie vorgeschlagen. Darauf aufbauend kann in einer zweiten Umsetzungsphase die Kirchstraße vor dem Knotenpunkt abgebunden werden, alle Parkierungsanlagen bleiben weiterhin anfahrbar. Im Zusammenhang mit weitergehenden städtebaulichen Maßnahmen in der südlichen Innenstadt ist schließlich eine grundsätzlich neue Erschließung des Bereiches denkbar. Der Knotenpunkt Blessenstätte könnte dann vollständig aus dem MIV-Netz herausgenommen werden.

Wie bereits in der Arbeitsgruppe erläutert, leiten sich diese Vorschläge aus verkehrlichen und städtebaulichen Gesichtspunkten ab. Eine an die derzeitige Verkehrsführung angepaßte Umgestaltung kann einen wesentlichen Beitrag zur Aufwertung dieses "Stadteinganges" beitragen. Außerdem bietet die heutige Verkehrsführung die Möglichkeit, die Funktion der Dalkestraße als wichtige Achse für Fußgänger und Radfahrer zu stärken.

Die in den noch ausstehenden Verkehrsversuchen beabsichtigte Erhöhung der Durchlässigkeit des Knotenens für den MIV durch zusätzliche Abbiegemöglichkeiten, führt zu höheren Kfz-Belastungen in praktisch allen Kontenpunktzufahrten und steht damit im Widerspruch zu den verkehrlichen und städtebaulichen Zielsetzungen.

Da sich die heutige Verkehrsführung aus meiner Sicht in der Praxis bewährt hat, sollte dieser Zustand nun auch baulich umgesetzt werden. Eine Weiterführung des Verkehrsversuchs um seiner selbst Willen, birgt die Gefahr einer mangelnden Akzeptanz in der Öffentlichkeit in sich.

Der Verkehrsversuch war also insoweit erfolgreich, als das damit nun eine zielgerichtete und erprobte Lösung, für die Blessenstätte gefunden wurde, die jetzt durch entsprechende Umbaumaßnahmen festgeschrieben werden sollte.

Mit freundlichen Grüßen

(Diplng. C. Hebel)